Wenn ein Welpe in die Leine beißt, dann ist das völlig normal und absolut kein Grund zur Sorge. Allerdings kann es schnell zur Gewohnheit werden. Um ihm das Verhalten abzugewöhnen, solltest du zunächst die Ursache herausfinden, warum er solch ein Gefallen am Leinenband gefunden hat.
Sind die Gründe geklärt, kannst du mit sanften Maßnahmen gegen das Verhalten wirken. Lass uns gemeinsam die Ursachen für das Leinenbeißen verstehen und erhalte Sofort-Tipps, was du tun kannst, um deinem Welpen zu helfen.
Warum beißt mein Welpe in die Leine?
Vor allem junge Hunde neigen zum Leinenbeißen. Ein Welpe beißt meist aus Spieltrieb, Zahnwechsel, Stress, einer falschen Leinenführung oder Aufmerksamkeitsgründen in die Leine.
Beim Gassigehen kannst du anhand des Leinengebrauchs verschiedene Verhaltensweisen erkennen. Das Themenfeld ist sogar so komplex, dass es viele unterschiedliche Studien dazu gibt. Dies zeigt, dass Leinen-Situationen bereits ein eigenes Verhaltensfeld sind. Und genau deshalb ist es wichtig, den Welpen früh an die Leine zu gewöhnen, bevor man bestimmte Verhaltensweisen korrigieren muss.
Es gibt unterschiedliche Ursachen, warum ein Welpe in die Leine beißt. Das sind 5 typische Gründe:
1. Spieltrieb & Überschussenergie
Welpen erkunden die Welt mit ihrem Maul. Das Beißen in die Hundeleine kann ein Zeichen von purem Spieltrieb und Überschussenergie sein. Dein Welpe ist voller überschwänglichem Tatendrang und sucht nach einer Möglichkeit, sich auszutoben. Wenn dann das Leinenband vor seinen Augen flattert, dann wird sie schnell zum Objekt der Begierde. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Spielverhalten meist keine böse Absicht ist, sondern einfach Ausdruck von Neugier und jugendlichem Übermut. Laut einem Fachartikel der ASPCA, der ältesten Tierschutzorganisation der USA, hat dieses Verhalten sogar den Vorteil, dass es Zähne und Kaumuskulatur trainiert.
2. Zahnwechsel oder Kaudrang
Ein weiterer Grund, warum Welpen in die Leine beißen, kann der Zahnwechsel sein. In dieser Phase haben die kleinen Hunde ein starkes Bedürfnis zu kauen, um den Juckreiz zu lindern. Die Führleine wird dann zum idealen Kauspielzeug.
Besonders im Alter von 3-6 Monaten zeigen Welpen einen verstärkten Beiß- und Kautrieb, was häufig zu einem unerwünschten Herumkauen führt. Doch auch wenn dein Haustier nicht im Zahnwechsel ist, kann ein allgemeiner Kaudrang vorhanden sein. Aus meiner Erfahrung erkennt man diese Ursache des Leinenbeißens gut daran, dass ein Welpe ebenso auf anderen Gegenständen kaut.
3. Frust oder Unsicherheit
4. Falsche Spannung an der Leine
Eine ständig angespannte Leine kann dazu führen, dass der junge Hund die Leine als etwas Negatives wahrnimmt und anfängt, zu zerren und hineinzubeißen. Das gilt ebenso, wenn sie am Boden schleift. Die Leine selbst ist dann der Trigger für deinen Welpen. Für die Leinenführung ist der Hundebesitzer selber verantwortlich und der Welpe reagiert nur. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Dog behaviour on walks and the effect of use of the leash“ von C. Westgarth. Ist die Leinenführigkeit die Ursache für das Beißen, musst du dafür sorgen, dass dein Welpe mit der Leine positive Erfahrungen verbindet. Ansonsten ist sie nur Stress und Zwang.
5. Welpe sucht verstärkt Aufmerksamkeit
Eventuell ist das Beißen in die Leine einfach ein Versuch, Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Welpe hat gelernt, dass er durch dieses Verhalten deine Reaktion hervorruft. Dieses Verhaltensmuster tritt häufig mit anderen auf. Beißt dein Welpe in die Leine, springt hoch oder bellt dazu, dann deutet es auf ein Suchen nach Aufmerksamkeit hin.
Tierverhaltensforscher Dr. Sagi Denenberg erklärt dazu, dass Hunde durch Versuch und Irrtum lernen. Welpen testen ihre Besitzer und probieren aus, was eine Reaktion hervorruft. Wenn sie damit erfolgreich sind und eine Reaktion erhalten, entsteht ein aufmerksamkeitssuchendes Verhalten. Das ist natürlich und genetisch vorgegeben.
Was tun, wenn der Welpe in die Leine beißt?
3-Schritte-Routine als Sofort-Maßnahme
Wenn dein Welpe anfängt, in die Leine zu beißen, dann kannst du ihm auf unterschiedliche Weise entgegenwirken. Dein Vorgehen soll als Abbruchsignal wahrgenommen werden. Hier ist eine kurze 3-Schritte-Routine, die du stets sofort anwenden kannst:
- Halte die Leine still und zeige keine Reaktion
- Sobald der Welpe loslässt, lobe ihn ruhig und unaufgeregt
- Beißt er erneut rein, dann eine Alternative geben oder kurze Pause einlegen
Dieses Training hilft deinem Welpen, das Fehlverhalten abzulegen und das Leinenbeißen zu beenden. Wichtig ist dabei zu beachten, dass auch negative Aufmerksamkeit eine Form von Signal ist. Daher meide unbedingt Schimpfen oder an der Leine ziehen. Sonst bestärkst du das Verhalten ungewollt. Besser ist es, das Leinenbeißen zu ignorieren und dem Welpen die Führleine uninteressant zu machen.
Die 5 besten langfristigen Tipps gegen Leinenbeißen
Die folgenden 5 Tipps helfen dir zusätzlich, was du tun kannst, um Leinenbeißen bei Welpen zu vermeiden:
1. Leine sofort kommentarlos „entwerten“
Wenn der Welpe die Hundeleine als Spielzeug wahrnimmt, wird er immer wieder reinbeißen. Ein wichtiger Tipp ist dabei, die Leine komplett stillzuhalten. Ziehe nicht daran und schimpfe nicht. Sobald sie sich nicht bewegt, wird sie langweilig. In jedem Fall musst du vermeiden, dass der Welpe die Leine noch interessanter findet. So wird die Leine mit der Zeit eine Gewohnheit und wird nicht mehr beachtet. Das erfordert von dir konsequentes Handeln.
2. Alternativen wie Kautspielzeug anbieten
Wenn er in Spielstimmung ist oder zahnt, kann es schnell passieren, dass dein Welpe in die Hundeleine beißt. Biete ihm stattdessen ein Kauspielzeug an, sodass er von der Leine abgelenkt wird. Sobald er sich mit dem Kauspielzeug beschäftigt, lobe ihn ruhig dafür. Lenke ihn gleichzeitig aber nicht von diesem ab. So versteht er schnell, dass das Spielzeug die bessere Alternative ist. Wenn ihr das regelmäßiges trainiert, dann wird sich das Leinenbeißen reduzieren.
3. Mini-Unterbrechung einbauen
Wenn der Welpe hochfährt oder sich reinsteigert, baue eine Mini-Unterbrechung ein. Das soll ein Abbruchsignal erzeugen. Bleibe kurz stehen, atme ruhig und warte. Sobald er loslässt, gehe ruhig weiter. So lernt er folgende Zusammenhänge:
- Beißen = Spaziergang stoppt
- Ruhe = Spaziergang geht weiter
Dieses Verhalten gibt ihm zu verstehen, dass das Beißen in die Leine nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Bleibe dabei stets positiv.
4. Kurze und strukturierte Spaziergänge
Viele Welpen beißen in eine Leine oder ein Geschirr, weil sie überfordert oder unterfordert sind. Besser sind kurze, klare Runden. Diese strukturierte Spaziergänge dauern nicht länger als 15 Minuten, bei denen er viel schnüffeln kann und wenigen Reizen gleichzeitig ausgesetzt ist. Achte darauf, dass dein Welpe nicht zu vielen Eindrücken ausgeliefert ist, da dies zu Stress und somit wieder zum Beißen in die Leine führen kann.
5. Richtige Hundeleine für die Spaziergänge wählen
Manchmal ist das Material der Hundeleine ein Trigger. Optimal ist ein rundes, weiches Leder oder Biothane. Vermeide super dünne, flatternde Leinen oder jene, die stark nach Spielzeug aussehen. Das richtige Material kann dazu beitragen, dass dein Welpe die Leine nicht als Spielzeug wahrnimmt. Achte darauf, dass die Führleine angenehm in der Hand liegt und keine zusätzlichen Anreize zum Kauen bietet. So kannst du das Leinenbeißen von vornherein vermeiden und deinem Tier helfen.
Welpe beißt ständig in die Leine: Wann wird es ein Problem?
Grundsätzlich ist es nicht schlimm, wenn dein Welpe in die Leine beißt. Viele Welpen zeigen dieses Verhalten, besonders beim Spaziergang, und es ist oft ein Teil ihrer normalen Entwicklung. Es gibt jedoch Situationen, in denen das Leinenbeißen problematischer wird. Wenn dein Welpe sich in die Leine verbeißt, knurrt, sie festhält oder sogar „fuchsig“ wird, solltest du reagieren. Auch wenn er gar nicht mehr ansprechbar ist, während er in die Leine beißt, ist Vorsicht geboten. In solchen Fällen braucht ihr mehr Ruhe, weniger Reize und ein strukturiertes Training. Besondere Beachtung sollte die Körpersprache deines Haustiers bekommen. Daran erkennst du Ursachen und wann er überfordert ist. Durch konsequentes Trainieren kannst du reagieren und deinem Welpen helfen, dieses unerwünschte Verhalten zu unterbinden.
Über den Autor Danny
Heute begleitet er über 360 Hundebesitzer auf dem Weg zu einem gesünderen und glücklicheren Hundeleben.
Sein Ziel ist es, Hundebesitzern verständlich zu zeigen, worauf es im Alltag mit ihren Vierbeinern wirklich ankommt. Dabei möchte er ohne komplizierte Fachbegriffe und leicht nachvollziehbar als Ratgeber zur Seite stehen – mit Herz, Erfahrung und ehrlicher Leidenschaft.

