Die Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, ist beim Hund ein häufiges Problem, das Autofahrten schnell zur Herausforderung machen kann. Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Fahrt angenehmer zu gestalten. Gerade bei jungen Hunden lassen sich die Beschwerden oft deutlich reduzieren. In diesem Artikel erfährst du, woran du die Reiseübelkeit erkennst und was du dagegen tun kannst.
Woran erkennst du Reisekrankheit beim Hund?
Die Symptome der Reisekrankheit sind vielfältig und können von leichtem Unwohlsein bis zu starkem Erbrechen reichen.
Übelkeit und anschließendes Erbrechen sind zwar sehr auffällige Anzeichen der Reisekrankheit, aber längst nicht die einzigen. Viele Hunde zeigen zusätzlich Verhaltensweisen, die auf Unwohlsein, Angst oder Stress hindeuten. Typische Symptome sind:
- starkes Speicheln
- häufiges Schlucken oder Lecken
- vermehrtes Hecheln und Gähnen
- Unruhe
- Winseln
- Zittern
- Anzeichen von Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall oder Kotabsatz
- deutliche Abneigung gegen das Autofahren
Diese Symptome können schon bei kurzen Fahrten auftreten und sich mit der Dauer der Autofahrt verstärken. Du solltest solche Anzeichen daher ernst nehmen, da sie darauf hindeuten können, dass die Fahrt deinen Hund belastet. Aus wiederholt unangenehmen Erfahrungen kann sich zusätzlich eine ausgeprägte Angst vor dem Autofahren entwickeln, sodass sogar manche Vierbeiner nicht mehr ins Auto einsteigen wollen. Deshalb solltest du möglichst früh gegensteuern.
Was tun gegen Reisekrankheit beim Hund?
Die Reisekrankheit entsteht hauptsächlich durch eine Diskrepanz zwischen den Sinneseindrücken des Gleichgewichtsorgans im Innenohr und den visuellen Reizen, die dein Hund beim Reisen wahrnimmt. Die kontinuierliche Bewegung des Fahrzeugs kann das Gleichgewichtsorgan reizen, wodurch Übelkeit und Erbrechen entstehen können.
Besonders Welpen und junge Hunde sind häufiger von Reiseübelkeit betroffen. Vermutlich spielt dabei unter anderem die noch nicht vollständig entwickelte Verarbeitung der Bewegungsreize eine Rolle.
Um die Reisekrankheit zu lindern, kannst du an mehreren Stellen ansetzen und deinem Vierbeiner die Reise erleichtern. Dazu gehören sowohl eine schrittweise Gewöhnung an das Autofahren als auch praktische Maßnahmen während der Fahrt.
Wie beugt man der Reisekrankheit vor?
Um der Reisekrankheit bei deinem Hund vorzubeugen, solltest du ihn schrittweise an das Autofahren gewöhnen und möglichst positive Erfahrungen schaffen. Da gerade viele junge Tiere unter den Beschwerden leiden, kann eine frühe und behutsame Gewöhnung hilfreich sein. Frühe positive Erfahrungen können deinem Welpen helfen, Autofahrten entspannter kennenzulernen. Damit ist er gleichzeitig auf den ersten Urlaub vorbereitet.
Beginne mit kurzen Fahrten und steigere die Dauer langsam, sodass sich dein Hund schrittweise an den Transport im Auto gewöhnt. Am besten machst du ihn zusätzlich mit einer Transportbox oder einem speziellen Sicherheitsgeschirr vertraut. Sie geben ihm während der Autofahrt Halt und Sicherheit. Probiere dabei gleichzeitig aus, ob dein Hund eine Hundetransportbox oder einen Blick aus dem Fenster bevorzugt. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass dein Hund nicht bei jeder Bewegung des Fahrzeugs hin- und herrutscht und dadurch weniger zusätzlichen Bewegungsreizen ausgesetzt ist.
Eine große Mahlzeit unmittelbar vor der Fahrt solltest du vermeiden. Besser sind eine kleine, leichte Mahlzeit oder ein eher leerer Magen.
Damit sich keine allgemeine Reiseangst entwickelt, achte auf ein ruhiges Verhalten deinerseits. Wenn dein Hund anfängt zu jaulen oder zu winseln, schimpfe nicht. Treten Anzeichen von Unwohlsein auf, unterbrich das Training am besten und versuche die Maßnahmen mit einem positiven Erlebnis zu beenden. Du kannst das Training an einem anderen Tag wieder aufnehmen.
Hat dein Hund bereits starke Angst vor dem Auto entwickelt, kann eine gezielte Verhaltenstherapie beim Hundetherapeuten sinnvoll sein.
9 praktische Tipps während der Autofahrt
Auch während der Autofahrt kannst du einiges tun, um die Reiseübelkeit beim Hund zu reduzieren:
- Fahre ruhig und entspannt.
- Plane bei längeren Fahrten regelmäßige Pausen ein und lass ihn seine Blase entleeren.
- Bei Symptomen wie starkem Hecheln oder Speichelfluss lege eine Pause ein.
- Biete dem Hund um die Reise herum stets frisches Wasser zum Trinken an.
- Sorge für eine angenehme Temperatur im Auto und ausreichend Frischluft.
- Meide laute Musik im Auto.
- Verwende eine Transportbox, um visuelle Reize zu reduzieren und einen Rückzugsort zu schaffen.
- Sichere die Transportbox, um deinem Hund mehr Schutz bei einem Unfall und gleichzeitig besseren Halt während der Fahrt zu geben.
- Lege einen bekannten Gegenstand wie eine Decke, ein Kuscheltier oder sein Lieblingsspielzeug hinzu.
Bei starken Symptomen wie wiederholter Übelkeit und Erbrechen ist eine Absprache mit dem Tierarzt ratsam.
Welche Mittel helfen gegen Reiseübelkeit?
Nicht jedes Mittel, das gegen Reiseübelkeit empfohlen wird, ist wissenschaftlich gut untersucht oder in seiner Wirkung belegt. Vor allem bei stärker ausgeprägten Beschwerden solltest du deshalb darauf achten, unterstützende Mittel nicht als Ersatz für eine wirksame Behandlung oder ein langsames Training zu betrachten.
Besonders Welpen und junge Hunde sind häufiger von Reiseübelkeit betroffen. Vermutlich spielt dabei unter anderem die noch nicht vollständig entwickelte Verarbeitung der Bewegungsreize eine Rolle.
Um die Reisekrankheit zu lindern, kannst du an mehreren Stellen ansetzen und deinem Vierbeiner die Reise erleichtern. Dazu gehören sowohl eine schrittweise Gewöhnung an das Autofahren als auch praktische Maßnahmen während der Fahrt.
Hausmittel gegen Reiseübelkeit
Um die Reiseübelkeit beim Hund auf natürliche Weise zu lindern, werden verschiedene Hausmittel eingesetzt. Ingwer wird beispielsweise aufgrund seiner Wirkung gegen Übelkeit teilweise in kleinen Mengen vor der Autofahrt gegeben. Seine Scharfstoffe können dabei unter anderem Signalwege beeinflussen, die an Übelkeit und Erbrechen beteiligt sind.
Auch verschiedene Teesorten wie Kamillentee oder Fencheltee werden gelegentlich genutzt, um den Magen zu beruhigen. Dabei solltest du nur kleine Mengen eines ungesüßten und abgekühlten Tees anbieten.
Homöopathie
Im Bereich der alternativen Medizin wird häufig Homöopathie in Form von Globuli als Mittel gegen Reisekrankheit bei Hunden eingesetzt. Zu den bekannten homöopathischen Mitteln gehören Nux vomica oder Cocculus, die traditionell bei Beschwerden wie Übelkeit, Reizbarkeit und Schwindel empfohlen werden.
Allerdings sei gesagt, dass es für homöopathische Mittel wie Cocculus oder Nux vomica derzeit keine belastbaren klinischen Belege für eine Wirksamkeit bei reisekranken Hunden gibt.
Pheromone
Pheromone sind chemische Botenstoffe, die Hunde über die Nase und das Jacobson-Organ aufnehmen und zur Kommunikation nutzen. Synthetische Hundepheromone werden auch angeboten, um Stress und Angst während Autofahrten zu reduzieren. Gegen die körperliche Ursache der Reisekrankheit wirken sie zwar nicht. Sie können aber interessant sein, wenn dein Hund zusätzlich Angst vor dem Autofahren entwickelt hat.
Eine Untersuchung mit 62 Hunden, die Probleme während Autofahrten zeigten, testete über sechs Wochen Dog-Appeasing-Pheromone zusammen mit Verhaltensempfehlungen. Bei vielen dieser Tiere verbesserten sich die Beschwerden im Verlauf der Studie. Da bei der Untersuchung jedoch gleichzeitig Verhaltenstraining eingesetzt wurde, lässt sich nicht eindeutig sagen, welchen Anteil die Pheromone an der Verbesserung hatten.
Bachblüten
Bachblütenessenzen werden von manchen Hundehaltern etwa 30 Minuten bis eine Stunde vor der Fahrt verwendet. Sie werden eingesetzt, um Nervosität und Angst vor Autofahrten zu reduzieren. Eine entsprechende Wirkung ist wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt.
Es gibt sowohl flüssige Zubereitungen als auch Globuli als Darreichungsformen für Bachblüten. Sogenannte Rescue-Tropfen werden innerhalb der Bachblütentherapie für akute Stress- und Angstsituationen angeboten. Scleranthus gilt innerhalb der Bachblütentherapie als sogenannte Gleichgewichtsblüte, während Mimulus bei konkreten Ängsten eingesetzt wird.
Welche Medikamente helfen bei Reisekrankheit?
Wenn dein Hund besonders stark reisekrank ist, können Medikamente helfen. Welcher Wirkstoff geeignet ist, sollte immer individuell mit dem Tierarzt geklärt werden.
Medikamente kommen vor allem dann infrage, wenn dein Hund deutlich unter der Reiseübelkeit leidet oder längere Fahrten trotz anderer Maßnahmen kaum möglich sind. Neben Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen können zusätzliche Präparate infrage kommen, wenn Angst oder Stress während der Fahrt eine größere Rolle spielen.
Hilft Cerenia gegen die Reiseübelkeit beim Hund?
Cerenia, dessen Wirkstoff Maropitant ist, wird zur Vorbeugung von Reiseübelkeit beim Hund eingesetzt. Der Wirkstoff greift an NK1-Rezeptoren im Brechzentrum des Gehirns an und kann dadurch vor allem das durch Reisekrankheit ausgelöste Erbrechen verhindern.
Das Medikament wird vor einer Autofahrt verabreicht und kann insbesondere bei längeren Fahrten hilfreich sein. Die Gabe sollte immer nach Absprache mit deinem Tierarzt erfolgen, damit das Medikament richtig eingesetzt wird.
Die Wirkung von Maropitant wurde auch in zwei randomisierten klinischen Studien mit insgesamt 189 Hunden untersucht. Gegenüber Placebo reduzierte Maropitant das Auftreten von Erbrechen um 86,1 Prozent bei einer Gabe etwa zwei Stunden und um 76,5 Prozent bei einer Gabe etwa zehn Stunden vor der Fahrt.
Welche anderen Medikamente kommen bei reisekranken Hunden infrage?
Neben Maropitant kommen je nach Beschwerden auch andere Wirkstoffe infrage. Bestimmte Antihistaminika können beispielsweise gegen die durch das Gleichgewichtssystem ausgelösten Beschwerden eingesetzt werden. Stehen dagegen Angst und Stress beim Autofahren im Vordergrund, kann der Tierarzt andere beruhigende oder angstlösende Maßnahmen empfehlen.
Welche Lösung am besten geeignet ist, solltest du mit deinem Tierarzt besprechen. Er kann einschätzen, welche Behandlung der Reisekrankheit beim Hund sinnvoll ist und dich gegebenenfalls zu verhaltenstherapeutischen Maßnahmen beraten.
Darf Vomex beim Hund eingesetzt werden?
Vomex enthält den Wirkstoff Dimenhydrinat, ein Antihistaminikum gegen Übelkeit und Reisekrankheit. Beim Hund solltest du ein Humanarzneimittel mit diesem Wirkstoff jedoch nur nach tierärztlicher Anweisung einsetzen. Neben der richtigen Dosierung müssen mögliche Vorerkrankungen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen berücksichtigt werden. Eine eigenständige Gabe ist deshalb nicht empfehlenswert.
Über den Autor Danny
Heute begleitet er über 360 Hundebesitzer auf dem Weg zu einem gesünderen und glücklicheren Hundeleben.
Sein Ziel ist es, Hundebesitzern verständlich zu zeigen, worauf es im Alltag mit ihren Vierbeinern wirklich ankommt. Dabei möchte er ohne komplizierte Fachbegriffe und leicht nachvollziehbar als Ratgeber zur Seite stehen – mit Herz, Erfahrung und ehrlicher Leidenschaft.

