abgebrochener Zahn beim Hund

Ein abgebrochener Zahn beim Hund kann für viele Hundebesitzer erst einmal ein Schreckmoment sein. Umso wichtiger ist es, ruhig zu bleiben und die Situation richtig einzuschätzen.

Je nach Art und Tiefe der Fraktur können entweder nur der Zahnschmelz und das darunterliegende Dentin oder zusätzlich auch die Pulpa beziehungsweise sogar die Zahnwurzel betroffen sein. Deswegen sollte jede Zahnfraktur von einem Tierarzt untersucht werden, da die Verletzung Schmerzen verursachen und Komplikationen nach sich ziehen kann.

Dieser Artikel hilft dir einzuschätzen, wie dringend du handeln solltest und wann du mit deinem Hund eine Tierarztpraxis aufsuchen musst. Außerdem erfährst du, was du selbst tun kannst, welche Behandlungen möglich sind und welche Kosten auf dich zukommen können.

Ist jeder abgebrochene Zahn beim Hund ein Notfall?

Nicht jede Zahnfraktur beim Hund ist ein Notfall. Dennoch sollte jeder abgebrochene Zahn zeitnah untersucht werden. Wie dringend du handeln musst, hängt unter anderem davon ab, wie tief der Bruch reicht und welche Bereiche des Zahns betroffen sind. Daher ist es wichtig, die Situation aufmerksam zu beobachten.

Nicht selten bemerken Hundehalter den abgebrochenen Zahn zunächst gar nicht. Erst bei der täglichen Zahnpflege fällt er auf. Doch auch wenn nur eine kleine Ecke der Zahnkrone fehlt, keine Schwellung erkennbar ist und dein Hund scheinbar normal frisst, solltest du den Zahn zeitnah kontrollieren lassen.

Wann du besonders schnell zum Tierarzt gehen solltest

Problematisch wird es vor allem dann, wenn Schmerzen, Blutungen oder sichtbare Schäden am Zahn oder Zahnfleisch auftreten. Handelt es sich um eine komplizierte Fraktur mit freiliegender Pulpa, solltest du noch am selben Tag einen Tierarzt aufsuchen.

Bei diesen Symptomen eines abgebrochenen Zahns ist ein Tierarztbesuch notwendig:

  • Der betroffene Zahn blutet stark oder anhaltend
  • An der Bruchstelle ist die Pulpa als roter oder schwarzer Punkt sichtbar
  • Der Bruch reicht bis unter den Zahnfleischrand
  • Das Zahnfleisch oder das Gesicht ist angeschwollen
  • Eiter oder eine kleine nässende Öffnung am Zahnfleisch ist erkennbar
  • Der Zahn hat sich rosa, violett, grau oder dunkel verfärbt
  • Der Hund speichelt vermehrt oder zeigt Schmerzen beim Kauen

Besonders eine Fraktur mit freiliegender Pulpa kann anfangs stark schmerzhaft sein und muss behandelt werden. Über die offene Pulpa können Bakterien in den Wurzelkanal gelangen. Ohne Behandlung kann das Zahnmark absterben. In der Folge kann sich die Infektion über die Wurzel ausbreiten und an der Wurzelspitze einen Abszess im umliegenden Kieferknochen verursachen.

Zwischen einzelnen Symptomen können auch Kombinationen auftreten. Deshalb nimm vor allem Veränderungen im Verhalten deines Hundes ernst. Warte nicht erst ab, wenn sich sein Zustand verschlechtert. Je früher ein Problem entdeckt wird, desto besser lässt es sich meist behandeln. Deshalb ist auch ein Kontrollbesuch beim Tierarzt sinnvoll, sobald du dir unsicher bist.

Was tun, wenn dein Hund einen abgebrochenen Zahn hat?

Wenn dein Hund einen Zahn abgebrochen hat, solltest du zunächst ruhig bleiben. Deine Unruhe überträgt sich sonst auf deinen Vierbeiner. Halte ihn lieber ruhig und entspannt. So lässt sich die Situation besser einschätzen und du kannst gegebenenfalls das Maul kontrollieren. Zwinge ihn aber nicht, das Maul zu öffnen und berühre den beschädigten Zahn möglichst nicht.

Auch wenn dein Hund blutet, verfalle nicht in Panik. Der Anblick von Blut führt bei vielen Hundebesitzern erst einmal zu Unsicherheit. Doch die Blutung kann unterschiedliche Gründe haben. Eine leichte Blutung kann beispielsweise vom verletzten Zahnfleisch stammen und muss nicht zwingend auf eine schwere Verletzung hindeuten. Tritt das Blut jedoch direkt aus der Bruchstelle aus, kann die Pulpa beziehungsweise das Zahnmark eröffnet sein. Dadurch kann auch der Zahnnerv freiliegen. Daher erfordert eine solche Eröffnung mit starken, anhaltenden Blutungen eine schnelle tierärztliche Untersuchung.

Blut an den Lefzen oder am Fell kannst du vorsichtig mit einem sauberen, feuchten Tuch abtupfen. Doch reinige oder desinfiziere die Bruchstelle nicht selbst. Trage also keine Desinfektionsmittel, Öle, Salben oder andere Mittel auf. Auch Schmerzmittel aus der Hausapotheke oder andere Medikamente müssen immer mit dem Tierarzt abgesprochen sein.

Zeigt dein Hund keine schweren Beschwerden, biete ihm bis zur Untersuchung weiches Futter an. Gegebenenfalls kannst du sein Trockenfutter einweichen. Verzichte zudem vorerst auf Knochen, harte Kauartikel und Zerrspiele, um eine zusätzliche Belastung und weitere Schäden am abgebrochenen Zahn zu vermeiden.

Wie wird eine Zahnfraktur beim Hund behandelt?

Behandlung Zahnfraktur beim Hund

Die Behandlung eines abgebrochenen Zahns hängt vom Schaden und dem Ausmaß der Verletzung ab. Deshalb untersucht der Tierarzt zunächst die betroffene Stelle und das umliegende Gebiss. Danach entscheidet er, ob eine Kontrolle oder Versorgung ausreicht, eine endodontische Therapie erforderlich ist oder der Zahn entfernt werden muss.

Eine gebräuchliche Einteilung unterscheidet sechs Formen von Zahnfrakturen bei Hunden:

  • Schmelzfraktur: Der Verlust von Zahnsubstanz beschränkt sich auf den Zahnschmelz.
  • Unkomplizierte Kronenfraktur: Die Zahnkrone ist beschädigt, ohne dass die Pulpa freiliegt.
  • Komplizierte Kronenfraktur: Die Zahnkrone ist beschädigt und die Pulpa liegt frei.
  • Unkomplizierte Kronen-Wurzel-Fraktur: Die Fraktur betrifft Zahnkrone und Zahnwurzel, legt die Pulpa aber nicht frei.
  • Komplizierte Kronen-Wurzel-Fraktur: Zahnkrone und Zahnwurzel sind betroffen und die Pulpa liegt frei.
  • Wurzelfraktur: Die Fraktur betrifft die Zahnwurzel.

Welche Behandlung notwendig ist, hängt davon ab, welche Form vorliegt und wie stark der Zahn beschädigt wurde. Zur genaueren Beurteilung untersucht der Tierarzt das Innere des Mauls gründlich. Eine Sichtkontrolle allein zeigt jedoch nicht zuverlässig alle Verletzungen an der Zahnwurzel und dem umliegenden Knochen. Deshalb können zusätzlich Dentalröntgenaufnahmen notwendig sein.

Bei einer oberflächlichen Fraktur des Zahnschmelzes können eine Kontrolle und gegebenenfalls das Glätten scharfer Kanten ausreichen.

Liegt eine komplizierte Fraktur mit freiliegender Pulpa vor, muss der Zahn behandelt werden. Soll er erhalten bleiben, kommt je nach Befund eine vitalerhaltende Pulpatherapie oder eine Wurzelbehandlung infrage. Andernfalls ist eine Extraktion notwendig. Meistens wird ein Zahn extrahiert, um anhaltende Schmerzen, Entzündungen und eine Ausbreitung der Infektion in den umliegenden Kieferknochen zu verhindern. Für Dentalröntgenaufnahmen und die anschließende Behandlung ist beim Hund in der Regel eine Vollnarkose erforderlich.

Welche Kosten ungefähr entstehen

Die Kosten für die Behandlung eines abgebrochenen Zahns beim Hund können stark variieren. In einfachen Fällen bewegen sie sich jedoch in einem überschaubaren Rahmen. Handelt es sich um eine komplizierte Zahnfraktur, können je nach Behandlung und GOT-Satz hohe dreistellige oder sogar vierstellige Beträge entstehen.

Typische Kosten können zum Beispiel sein:

  • Einfache Untersuchung des Hundes: etwa 30 bis 85 Euro
  • Dentalröntgenaufnahme pro Aufnahme: etwa 30 bis 95 Euro
  • Zahnextraktion, nur die eigentliche Entfernung: etwa 12 bis 150 Euro

Die Angaben dienen nur als grobe Orientierung und basieren auf dem einfachen bis dreifachen GOT-Satz einschließlich Umsatzsteuer. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für den Notdienst, weitere Röntgenaufnahmen, Narkose, Narkoseüberwachung, Medikamente, Verbrauchsmaterialien und Nachkontrollen.

Bei einem einzelnen kompliziert frakturierten Zahn können sich die Gesamtkosten einschließlich Untersuchung, Dentalröntgen, Narkose und Extraktion grob auf 400 bis 1.000 Euro belaufen. Bei einer schweren Entzündung, mehreren betroffenen Zähnen oder zusätzlichen Behandlungen können die Gesamtkosten auch über 1.000 Euro liegen.

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